đź”´Wenn der rote Faden im Nebel verschwindet

Mein Europa-Reiseführer begann als große Vision: eine Übersicht über die höchsten Wandergipfel jedes EU-Landes – nachhaltig erreichbar, gut recherchiert und inspirierend erzählt. Doch je länger ich an meinem Buchprojekt arbeite, desto klarer wird: Nur Schritt für Schritt wird daraus etwas Greifbares.

Die Dimension dieses Vorhabens erinnert mich an die SAP-Welt: Anfangs glaubt man, ein System in ein bis zwei Jahren einführen zu können – bis man merkt, wie viele Details zu klären sind. Plötzlich verdoppelt sich der Zeitrahmen, oder der Funktionsumfang schrumpft drastisch. Genauso ging es mir mit meinem ursprünglichen Ziel: ein Buch für ganz Europa. Selbst die vermeintlich kleinere Idee, nur Deutschland und seine Nachbarländer abzudecken, erwies sich als unrealistisch.

Mein erster Zeitplan war mehr Wunsch als Wirklichkeit – jedem Land pauschal vier Wochen zuzuweisen? Das reicht vielleicht für einen groben Überblick, aber nicht für einen fundierten Reiseführer. Wer Regionen wirklich verstehen und ihre Besonderheiten herausarbeiten will, braucht vor allem eins: Zeit. Viel Zeit.

Inzwischen gibt es einen neuen Plan. Einen flexibleren, realistischeren. Und er verändert sich ständig – mit jeder Idee kommen neue Erkenntnisse dazu. Heute weiß ich: Es wird wohl auf ein Buch pro Land hinauslaufen. Kleinere Länder mit weniger Wanderpotenzial fasse ich zusammen. Nur so lassen sich klare Ziele definieren. Alles andere bleibt ein Luftschloss.

Und während ich mich durch Quellen, Karten und Textentwürfe arbeite, sehe ich bei Freunden im WhatsApp-Status, wie sie durch die Alpen streifen. Oder ich denke an George (Wer ist das?), den ich bei meiner Alpenüberquerung kennengelernt habe – er ist kürzlich aufgebrochen, um vom Atlantik mit dem GR10 durch die Pyrenäen zum Mittelmeer zu wandern, und mit dem GR11 wieder zurück. Und ich? Sitze oft bis spät in der Nacht am Laptop, arbeite bis zum Morgengrauen – und wundere mich, wie wenig Schlaf mein Körper manchmal braucht.

Manchmal frage ich mich: Wer kauft eigentlich einen Reiseführer, der nicht nach Amsterdam, Brüssel oder Luxemburg führt – sondern auf den Vaalserberg, ins Hohe Venn oder zum Kneiff? Zweifel gehören dazu. Es gibt diese Momente, in denen ich mich frage: Verliere ich hier gerade wertvolle Lebenszeit?

Aber aufgeben ist keine Option. Der Zeitraum vom 15. Mai bis mindestens 15. Dezember gehört diesem Projekt. Danach ziehe ich Bilanz: Was ist aus dem Vorhaben geworden, das unter dem Ordnernamen „EU2025“ auf meinem Rechner liegt – und wie naiv erscheint mir heute das einst anvisierte Erscheinungsjahr?

Ob es danach weitergeht – mit Mitstreitern, weiteren Büchern, einer „EU-Gipfel-Challenge“ oder einem Blog, der einfacher gehalten ist als ein Buch, aber dennoch hilft, die höchsten Punkte Europas zu entdecken – wird sich zeigen.

Bis dahin gilt: Schritt für Schritt. Nächstes Etappenziel: BeNeLux und Deutschland. Immer dem roten Faden nach – dem höchsten Punkt jedes Landes. Auch wenn vieles noch im Nebel liegt.

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